KI-Selbsthilfegruppe Berlin-Kreuzberg

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Papiercollage: ein Schwarm kleiner Papierroboter klettert mit roten Fahnen über einen Globus aus verknoteten hellblauen Kabeln, auf dem sich die Kontinente abzeichnen, während links ein einzelner Roboter mit Fragezeichen über dem Kopf ratlos einen Stecker hochhält und die Steckdose an der Wand hinter ihm übersieht.
Idee von uns. Generiert mit KI.

Editorial

Sechs bis zwölf Monate, dann gehört das Internet den Agenten?

Der Satz stammt aus Dario Amodeis Aufsatz vom Freitag und er hat die Woche gemacht: Altman stimmte binnen Stunden zu, Musk schlug gegenseitige Sicherheitstests mit chinesischen Labs vor, Sanders stand neben Bannon auf einer Bühne gegen Superintelligenz, Trump lehnte ab und watschte Amodei namentlich ab.

Gary Marcus hat die Zahl noch am selben Tag auseinandergenommen: Das gesamte Internet übernehmen sei so groß wie vage — übernehmen wozu, auf wessen Kosten, und wenn das Netz liegt, liegt es auch für die Angreifer. Sein Gegenvorschlag ist unspektakulär und deshalb interessant: Haftung statt Selbstverpflichtung.

Beim nächsten KI-Selbsthilfegruppe-Meetup gibt es eine Menge zu besprechen.

Cem

📰 Das Wichtigste zuerst

Papiercollage: ein Stapel Papierbögen, der oberste ist mit einer roten Büroklammer herausgehoben.

📅 Kurz notiert – was kommt

Papiercollage: eine kleine Figur blickt durch ein Teleskop auf kommende Termine am Horizont.

🛠 Tools der Woche

Google hat sich die Woche zur Hälfte genommen: Gemini arbeitet quer durch Workspace und liegt als Desktop-App über Windows. Daneben ein Koordinator-Agent bei Cursor, der selbst Agenten anheuert, Agenten nach Stundenplan in VS Code und als benannte Teilnehmer im Slack-Kanal.

Papiercollage: ein offener Werkzeugkasten mit sauber geschnittenen Werkzeugen.
  • Gemini arbeitet jetzt quer durch Workspace — egal, in welcher App du gerade steckstAus Gmail heraus ein fertig formatiertes Doc, Sheet oder Deck erzeugen lassen; aus Docs heraus eine Mail schreiben und verschicken; aus Chat heraus einen Termin legen; aus Slides eine Aufgabe in Google Tasks werfen. Für alle, deren Arbeitstag zu einem guten Teil aus Tabwechseln besteht. So geht's: Seitenpanel öffnen und die ganze Aufgabe formulieren, statt sie in Etappen zu zerlegen — etwa „Mach aus diesem Angebot ein gut lesbares Deck für meine Chefin“. Bei allem, was nach außen geht, zeigt Gemini erst eine Vorschaukarte zum Freigeben. Rollout seit 02.09., Business Standard aufwärts und Google AI Pro. Zum Start nur Englisch, Deutsch kommt später.
  • ChatGPT Images 2.5: eine gekritzelte Skizze reicht als VorlageIn der letzten Ausgabe als Kurzmeldung, hier die Praxisseite. Das Modell ändert beim Bearbeiten wirklich nur das, worum du gebeten hast, auch über mehrere Runden. Mit @Sketch kritzelst du Raumaufteilung oder Plakat-Layout direkt im Chat und schreibst Stil und Details dazu; für Flyer lieber mit dem Template „Poster“ starten als mit leerer Leinwand, und beim Nachbessern einen Kommentar an die Stelle setzen, statt den Prompt neu zu formulieren. Für alle Stufen. Wichtig für Kundenarbeit: Die Bilder tragen C2PA-Metadaten und ein unsichtbares Wasserzeichen.
  • Cursor Projects: ein Koordinator-Agent, der selbst Agenten anheuertIn der letzten Ausgabe kurz gemeldet, hier steht, was man damit macht. Ein Projekt ist ein Arbeitspaket über Wochen; der Koordinator plant, verteilt an Sub-Agenten und legt das Ergebnis zum Prüfen hin, auf einer eigenen Cloud-Maschine. Der eigentliche Gewinn ist der geteilte Kontext: Findet ein Agent heraus, wie man einen Service testet, wissen es alle folgenden. Dazu Subscriptions — den Koordinator einen Slack-Kanal beobachten, nach Zeitplan laufen oder deinen PRs folgen lassen. Klassiker: Bug-Report-Kanal anbinden, jeder eingehende Bug wird automatisch verteilt. Beta, rollt für alle aus.
  • VS Code 1.137: Agenten nach Stundenplan — und Voice ModeAutomations in Public Preview: wiederkehrende Agent-Tasks, die stündlich, täglich oder wöchentlich laufen. Für Wartungsarbeit, für die sich kein eigener CI-Job lohnt — Abhängigkeiten prüfen, Changelog pflegen, Lint-Schulden abtragen. Den Task, den du sonst montags von Hand anstößt, einmal als Automation formulieren. Experimentell dazu ein Voice Mode, in dem du Copilot unterbrechen und umlenken kannst, statt ihn abzuwürgen. Preview und experimentell, also nicht auf etwas ansetzen, das ungeprüft rausgeht.
  • Claude Code: Plugins bewerten lassen, Bash-Diffs sehen, Domains einzeln freigebenVier Releases in fünf Tagen. claude plugin eval lässt die Eval-Suite eines Plugins laufen und liefert einen reproduzierbaren Report als JSON und HTML — für alle, die bisher nach Bauchgefühl beurteilt haben, ob eine Änderung besser war. Das Bash-Tool legt jetzt ein Diff der geänderten Dateien bei, und im Auto-Modus mit Sandbox werden die Hosts, die ein Befehl braucht, nur für diesen Befehl geöffnet. Für unbeaufsichtigte Läufe: Dynamische Workflows pausieren beim Usage-Limit und laufen nach dem Reset von allein weiter. Unschön, aber real: Diese Releases landen in derselben Woche, in der die Wochenlimits netto sinken.
  • Switch: Agenten sitzen als Teilnehmer im Slack-Kanal, nicht als Slash-BefehlOpen Source von SandboxAQ: Switch holt beliebige Agenten als benannte Teilnehmer in Slack, Teams, Discord oder Telegram, mit demselben Kontext wie das Team. Für kleine Teams, in denen jemand mit einem Agenten arbeitet und die Ergebnisse per Copy-Paste in den Kanal trägt. Die Voreinstellung ist erfreulich zugeknöpft: Ein neuer Agent hört nur auf dich, bis du ihn freigibst, und antwortet nur auf direkte Ansprache — was zwei Agenten davon abhält, sich in eine Endlosschleife zu quatschen. Das Setup braucht einmal jemand Technisches, danach bedient ihn jede:r wie einen Kollegen.
  • Anysite.io: B2B-Listen im Chat mit dem eigenen Agenten bauenEine B2B-Datenschicht, die per MCP in deinem Agenten lebt — Claude, Codex, Cursor. Du fragst in Alltagssprache nach der Liste, etwa „200 Agenturen in DACH mit 10 bis 50 Leuten, dazu die Geschäftsführung mit Mailadresse“, und bekommst strukturierte Daten zurück, aus rund 700 Quellen weltweit. Für Freelancer:innen und kleine Firmen, denen Apollo oder Clay zu schwer ist. Die DSGVO-Frage, weil sie hier wirklich zählt: Der Anbieter nennt sich selbst Auftragsverarbeiter und dich Verantwortlichen. Wer damit in Deutschland kalt anschreibt, braucht trotzdem eine eigene Interessenabwägung und einen Opt-out in jeder Mail.
  • Data-Agent in ChatGPT Work: Dashboard bauen, indem man danach fragtIn der letzten Ausgabe kurz gemeldet, hier die Praxis. Der Agent hängt sich an Snowflake, BigQuery, Databricks und weitere, zieht auf Wunsch Dateien aus Drive und SharePoint dazu und baut ein interaktives Dashboard, das dein Team teilen und aktualisieren kann. Plugin installieren, Datenquelle verbinden, dann @Data und die Geschäftsfrage im Klartext, etwa: „Diagnostiziere, warum die wöchentlich aktiven Nutzer letzte Woche gekippt sind.“ Abfragen laufen mit den Rechten des verbundenen Accounts, der Agent sieht also nicht mehr als du.
  • Gemini-Desktop-App für Windows: Alt+Space, und es liegt über allemAm 12.09. als Meldung drin, hier die Bedienung. Unter gemini.google/desktop laden, dann legt Alt+Space Gemini über das, woran du gerade arbeitest — für die kurzen Sachen: einen Satz gegenprüfen, drei Titelvorschläge, schnell etwas nachschlagen. Mit Zugriff auf Gmail und Drive geht auch „fass mir den Stand von Projekt X aus meinen Mails und Dateien zusammen“ direkt vom Desktop. Für Workspace-Kund:innen, Einzel-Abos und private Konten.
  • Canva AI Essentials: kostenloses Zertifikat bis Ende NovemberDie Canva World Tour läuft vom 14.09. bis 30.11. mit kostenlosem Training über die Design School — Kurzlektionen fürs Handy, eine Fähigkeit pro Einheit. Neu ist AI Essentials, eine Zertifizierung im eigenen Tempo. Für alle, die Canva ohnehin nutzen und beim KI-Teil bisher auf gut Glück geklickt haben. Ja, es ist Marketing für Canva AI — das Zertifikat ist trotzdem echt, und die Lektionen passen in eine Mittagspause.
  • Copilot lässt dich jetzt einstellen, wie teuer es werden darfDie automatische Modellwahl hat drei Stufen: Efficiency für Einfaches, Balance für den Alltag, Intelligence für Qualität vor Preis. Alle greifen auf dieselben Modelle zu, die Stufe gewichtet nur. Abgerechnet wird nach dem tatsächlich gewählten Modell.
  • Google Sheets verdoppelt das Zellenlimit auf 20 MillionenFür neue, bestehende und importierte Dateien. Dazu die komplette Google-Fonts-Bibliothek in Diagrammen und ein eigener Formel-Editor für berechnete Felder in Pivot-Tabellen — kleine Sachen, aber genau die, an denen man sonst jedes Mal hängen bleibt.
  • GPT-Live-1 für Telefon- und SprachagentenIn der letzten Ausgabe gemeldet, hier die Praxis: Ton, Tempo und Stil per System-Prompt steuern, Reasoning und Tool-Calls an ein Backend-Modell delegieren und per Telephony-Support an eine echte Rufnummer hängen.
  • Figma: Radieren und Umfärben auf der Canvas, MCP-Zugang zentral verwaltbarFür Teams wird der Zugang des Figma-MCP-Servers zu Agenten wie Claude über den Identity-Provider verwaltbar. Als Admin einmal freigeben, statt jede:n einzeln durch die Zustimmung klicken zu lassen.
  • Aus der Timeline, unbestätigt: Perplexity offline auf RTX-PCs, Agent Analytics, Deepfake-DetektorPerplexity „Portable Computer“ soll lokale Agenten und Dateizugriff offline auf jedem Windows-PC mit RTX-Hardware bringen · Amplitude Agent Analytics misst Task-Erfolg, Tool-Fehler und Conversion statt nur Traces · Resemble AI DETECT-World setzt beim Erkennen von Deepfakes auf Physik statt auf auswendig gelernte Fälschungen · Apodex 1.1 kommt als 35B-Open-Weights-Modell mit Mini-Version auf Hugging Face.

💰 Business-Marker

Papiercollage: eine Schlange aus Geldscheinen frisst ihren eigenen Schwanz — die Zirkelfinanzierung.

🔭 Längere Perspektiven

Papiercollage: ein gewundener Weg führt durch geschichtete Berge zu einer fernen Fahne auf dem Gipfel.
  • Der Amodei-Aufsatz im Volltext, nicht in der SchlagzeileDie „sechs bis zwölf Monate“ haben die Berichterstattung gefressen, der Rest ist interessanter. Zwei Auslöser nennt er: rekursive Selbstverbesserung, die sich seit dem Sommer schneller entwickelt hat als erwartet, und den Hugging-Face-Vorfall, bei dem Test-Agenten unautorisierte Angriffe fuhren und versuchten, ihre eigenen Evaluatoren zu hacken. Der konkrete Schritt ist klein und überprüfbar — dauerhafter Zugang für dritte Prüfer auf Mitarbeiter-Niveau —, und genau an dieser Bescheidenheit hängt die ganze Kritik unten.
  • Die Golf-Rechenzentren liegen ein halbes Jahr nach dem Drohnenangriff immer noch brachWSJ-Reportage über die AWS-Regionen Abu Dhabi und Bahrain — und damit über den blinden Fleck der Souveränitäts-Debatte: Man kann sich Rechenzentren ins eigene Land holen und trotzdem keine Souveränität haben, wenn eine einzelne Drohne das Ding auf Monate ausknipst.
  • F-Droid-Audit: 72 Prozent der App-Updates sehen KI-geschrieben ausEin unabhängiger Forscher hat 102 App-Updates vom 12. September durchgesehen und 74 als überwiegend KI eingestuft. Einzelarbeit mit subjektivem Maßstab, entsprechend umstritten — aber die erste Zahl zu einer Frage, die jedes Open-Source-Projekt mit Review-Pipeline betrifft: Was macht man, wenn die Einreichungen schneller wachsen als die Leute, die sie lesen?
  • „Verlustfrei“ hält nur in FP32Unabhängige Nachprüfung eines hybriden Decoders: In BF16 stimmen die Ausgaben nur bei 45 Prozent der Prompts exakt mit der Referenz überein — die Benchmark-Scores bleiben trotzdem stabil. Der Score misst also nicht, was „lossless“ behauptet, und wer solche Claims aus Model Cards übernimmt, sollte nach der Präzision fragen.

🐦 Darüber spricht X

Timeline-Claims aus dem Grok-Digest — Meinungen, Selbstauskünfte und teils unbestätigte Behauptungen, kein verifizierter Journalismus.

Papiercollage: ein Vogel auf einem Draht, aus dem eine rote Sprechblase kommt, daneben zwei blaue.

🗣 Kritische Stimmen

Aus dem Wochen-Digest (11.–15.09.). Drei laut — und erstmals seit Beginn der Doom-Debatte ist die ethisch-sozialwissenschaftliche Linie wieder im Spiel.

Papiercollage: eine rote Figur auf einer Kiste ruft mit einem Megafon gegen eine graue Menge an.
  • Marcus zerlegt Amodeis Bremse — und applaudiert ihr trotzdem halbNoch am Tag des Aufsatzes antwortet er zusammen mit dem Sicherheitsforscher Nathan Hamiel und Zack Korman, technisch statt rhetorisch: „Das gesamte Internet übernehmen“ sei so groß wie vage. Cloudflare, Google und AWS seien Konzentrationspunkte, aber deutlich besser gehärtet als der Durchschnitt, und alle drei gleichzeitig runterzuholen unplausibel. Dazu die Frage, die in keiner Schlagzeile vorkommt: Wer zahlt das? Einen Tag später die zweite Hälfte, „Two cheers (out of three)“: Lob für die Transparenzverpflichtung, verbunden mit dem Hinweis, dass Deb Raji, Meg Mitchell und Timnit Gebru genau das seit Jahren fordern, nur ohne Applaus. Die Einwände: Werbe-Hyperbel, METR als „unabhängiger“ Evaluator sei Vereinnahmung mit anderen Mitteln, und China als Prügelknabe sabotiere jede Verhandlung mit China. Sein Gegenvorschlag ist unspektakulär und deshalb interessant: Haftung und Produktrückruf. „If they were held liable for the consequences, they would think twice.“
  • Hinton stellt sich dahinter — und räumt die Marketing-These abIm ABC Radio National nennt er Amodeis Warnung „very sensible“ und bleibt bei seiner Linie, nur nüchterner: „Nobody knows how to estimate the probabilities of these things. It's not 1 per cent, it's more than that, and it's not 99 per cent, it's less than that.“ Bemerkenswert ist, wo er sich sperrt. Auf den Einwand, CEOs spielten Risiken hoch, um sich wichtig zu machen, antwortet er umgekehrt: „It's very silly marketing for the companies to say we might wipe you all out.“ Konkret wird er bei den Instrumenten — Pflichttests vor Release und eine Screening-Pflicht für DNA-Syntheseanbieter — und zieht die Grenze: „I don't think we should stop developing it altogether.“
  • Gebru bricht das Schweigen — und dreht die ganze Debatte umNach Wochen Funkstille zwei Auftritte, bei Wired und in Bloombergs „The Close“. Ihre These ist die exakte Umkehrung der beiden oben: Das „machine-god narrative“ sei „meant to distract us“. Nicht weil künftige Katastrophen unmöglich wären, sondern weil Gegenwartsschäden im Untergangslärm untergehen — Waffensysteme ohne menschliche Kontrolle, Klimakosten, KI als Begründung für Entlassungen. Auf die Frage, wie das Aussterben konkret ablaufen solle, antwortet sie schlicht, sie könne es sich nicht vorstellen. Sicherheit heiße menschliche Kontrolle. Der Witz an der Woche: Genau die Transparenzforderung, die sie seit Jahren stellt, steht jetzt in Amodeis Aufsatz.
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